Sehr geehrte Patienten, liebe Eltern!

Da ich meinem Mann nach Berlin folge, wird die Praxis zum 01.05.2019 geschlossen.
Ich kann aus diesem Grund ab sofort keine Neuanmeldungen mehr annehmen und bedanke mich bei allen, die mich in der langen Zeit meiner Selbstständigkeit unterstützt haben. Vielen Dank für Ihr Vertrauen und für die zahlreichen Weiterempfehlungen an mich.

Alles Gute!
Vera Magritz

Praxis für Logopädie/Sprachtherapie
Praxis für Logopädie/Sprachtherapie

Sprachentwicklungsverzögerung

Bei einer Sprachentwicklungsverzögerung (SEV) ist der normale Spracherwerb nicht altersgemäß entwickelt. Die noch nicht ausgebildeten Fähigkeiten können aber mit spezifischen Förderangeboten aufgeholt werden.

Meist ist die Aussprache betroffen, die Kinder verschlucken oder verändern Laute, Silben oder Wörter.

In vielen Fällen sind auch Sprachverständnis, Grammatik, Satzbildung und Wortschatz noch nicht altersentsprechend entwickelt. Motorische Probleme (Fein- und Grobmotorik), mangelhafte visuelle und auditive Differenzierungsprobleme gehen oft mit einer verzögerten Entwicklung einher.

Eine Übersicht über die normale Sprachentwicklung finden sie hier.

Dazu sei gesagt, dass diese Übersicht nur als Richtwert verstanden werden kann und sollte, da jedes Kind als Individuum betrachtet werden muss. Man spricht dabei von einer sog. "Normvarianz", die je Kind unterschiedlich ist.

Dabei ist nicht der häufig zu hörende Ratschlag "Das wächst sich schon noch aus!" gemeint. Ein im Rahmen seiner jeweiligen Lebensgeschichte auftretendes verzögertes Sprachproblem muss nicht zwingend pathologisch sein, sollte bei Zweifeln aber am Besten mit Hilfe einer sprachtherapeutischen/logopädischen Diagnostik aufgedeckt und ggf. behandelt werden.

Sprachentwicklungsstörung

Die Sprachentwicklungsstörung (SES) stellt größere Überwindungsschwierigkeiten dar, da die verzögerten Bereiche vielfältiger sind  und dringend fachlicher Unterstützung bedürfen. Es sind mehrere linguistische Ebenen, also Aussprache, Grammatik, Satzbau und Wortschatz betroffen, wobei die Ausprägung in allen Bereichen gleich oder unterschiedlich sein kann.

Sprachentwicklungsstörungen treten isoliert oder im Zusammenhang mit weiteren kindlichen Entwicklungsstörungen auf (Motorik, Wahrnehmung etc.).

 Eine Verzögerung bei der Sprachentwicklung sollte daher möglichst früh festgestellt werden, um weiteren Störungen vorbeugen zu können.

Als weitere Folge einer SES treten unter Umständen Legasthenie (Lese-Rechtschreib-Schwäche), Konzentrationsmängel und/oder Aussprachestörungen auf.


Meilensteine der Sprachentwicklung

2. / 3. Monat
Übergang vom Schreien zum Lallen.

3. -5. Monat
Quantitative und qualitative Zunahme des Lallens.

9. / 10. Monat
Beginn der Lall-Worte, versucht Laute durch melodisches und gezielteres Lallen nachzuahmen.

mit 1 Jahr
Spricht erste sinnhafte Wörter, die evtl. mehrere Bedeutungen haben können;  versteht einfache Anweisungen, Spaß an Sprachspielen, Liedern und Reimen.

mit 2 bis 3 Jahren
Zweiwort-Äußerungen, erstes Fragealter: was?, erkennt Unterschied zwischen "Du" und "Ich", spricht ca. 300 Wörter.

mit 3 Jahren
Äußert Mehrwortsätze, kann kurzen Bild-Geschichten folgen. Wird von Fremden gut verstanden, erfasst erste komplexe Zusammenhänge und stellt Fragen dazu.

mit 4 bis 5 Jahren
Abschluss der primären Sprachentwicklung = die meisten Laute und Lautverbindungen werden beherrscht) Verfügt über ca. 2000 Wörter.


Mögliche Ursachen einer gestörten Sprachentwicklung im Kindesalter

  • mangelhafte sprachliche Anregung,
  • schlechtes Sprachvorbild,
  • Vernachlässigung (Deprivation),
  • überbehütendes Verhalten (overprotection) und mangelhafte Umwelterfahrung,
  • Schädigung des Gehirns durch Probleme während oder nach der Geburt
  • Probleme während der Schwangerschaft
  • Allgemein verzögerte Entwicklung
  • Familiäre Sprachanlageschwäche
  • Wahrnehmungsschwäche
  • Hörstörungen

Da die Sprache eine sehr komplexe Leistung unseres Gehirns darstellt, lässt sich selten eine alleinige Ursache ausmachen.

So fördern Sie die Sprachentwicklung Ihres Kindes: Alles zu seiner Zeit

Durch die erste Kontaktaufnahme des Kindes im Säuglingsalter (durch Schreien und Gurren) tritt bereits die erste zwischenmenschliche Kommunikation zwischen Eltern und Kind ein, die Ihnen bisher vielleicht gar nicht bewusst aufgefallen ist. Sie "antworten" durch einen beruhigenden oder auffordernden Stimmklang und wechselnde Intonation, so dass ein Zwiegespräch zwischen Ihnen entsteht.

Und so, wie Sie in den ersten Lebensmonaten Ihres Kindes auf seine Bedürfnisse intuitiv eingegangen sind, werden Sie schnell ein Gefühl dafür entwickeln, wie Sie Ihr Kind auf dem weiteren (sprachlichen) Weg fördern können.

Beobachten Sie die Interessen und Fähigkeiten Ihres Kindes und knüpfen Sie durch einen intensiven Austausch darüber einen Gesprächsrahmen, in dem Ihr Kind Fragen stellen kann und sich über seine sprachlichen Äusserungen rückversichern kann.

Im Alltag können Sie Ihre Handlungen kommentieren und sprachlich umrahmen und so dem Kind ganz konkrete Verknüpfungen zwischen Sprache und seinen Erlebnissen an die Hand geben.

Ein Kind braucht schätzungsweise vierzig Mal die Wort-Gegenstand-Verknüpfung bis es sich in den Sprachgebrauch des Kindes überträgt. Es hilft Ihrem Kind also, wenn Sie z.B. beim Anziehen ganz genau Ihr Tun beschreiben:

"So, jetzt werde ich dich anziehen. Erst die Schuhe, jetzt die Jacke. Wo sind denn deine Schuhe? Ah! Hier! Und jetzt setze ich dir noch die Mütze auf." usw.

Auch das gemeinsame Spiel sollte mit Sprache begleitet werden.

Beispiel:

"Du willst die Autos aus der Kiste holen? Ja, wir spielen mit den Autos, das ist eine gute Idee. Vielleicht bauen wir ja auch noch einen Tunnel mit den Bauklötzen."  Oder "Schau mal, ich habe der Puppe ein Kleid angezogen. Du kannst ihr noch einen Hut aufsetzen."
 
Dabei ist es wichtig,

  • nicht zu viele Fragen zu stellen,
  • das Spielgeschehen nicht an sich zu reissen oder
  • das Kind mit Äusserungen zu überfallen.

Ausserdem sollten keine direkten Berichtigungen von eventuellen sprachlichen Fehlern Ihres Kindes erfolgen. Vielmehr können Sie im Gespräch durch die korrekte Wiederholung der Äusserung sein Sprachbild unauffällig einrenken. Dabei wird das Kind nicht zum Nachsprechen aufgefordert, es bleibt vielmehr bei einem normalen Gespräch.

Beispiel:
"Macht Tida da?" - "Der Tiger macht einen Mittagsschlaf."
"Das hab ich gemalen." - "Super. Du hast ein schönes Bild gemalt!"

Dipl.-Päd. Vera Magritz | Praxis für Sprachtherapie (Logopädie) | Breite Str. 15 | 45657 Recklinghausen | Telefon: 02361 409 71 86 | mail@sprachtherapie-magritz.de

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